Geschichte von Lissabon

Die Geschichte von Lissabon ist sehr mit dem Fluss Tejo verbunden, dem größten Fluß der Iberischen Halbinsel. Wegen der Nähe zum Fluss haben sich die ersten Menschen „Homo Sapiens Neandertal“, die vorwiegend aus Nordafrika und anderen Teilen Europas kamen, in dieser Region niedergelassen. Es existieren archäologische Funde in Lissabon, die die Existenz von Menschen schon vor zehntausenden von Jahren beweisen; die Neandertaler waren schon vor 35.000 Jahren vor Ort. Lissabon ist daher eine der ältesten Städte der Westeuropäischen Welt - noch vor London, Paris oder Rom.

Es gibt eine Legende, die besagt, dass Lissabon vom griechischen Helden Odysseus gegründet wurde und Völker aus dem Westen waren. Die Aufzeichnung der ersten Invasion von Lissabon geht auf die Zeit vor Christi Geburt zurück, als verschiedene Stämme in die Iberische Halbinsel einfielen und sich auf dem fruchtbaren Land am Rande des Tejos niederließen, wo sie die besten Lebensbedingungen vorfanden.

Es gibt auch archäologische Funde, die im Castelo de São Jorge und in der Sé in Lissabon entdeckt wurden, die beweisen, dass die Phönizier in dieser Stadt ca. 1.200 Jahre vor Christi waren. Man darf nicht vergessen, dass es in dieser Zeit noch keine Flugzeuge, Autos und Post gab um Güter zu im- und exportieren, deswegen konzentrierte sich alles im Umfeld der Ufer de Tejos und des Meeres, ein wichtiger Handelsweg, wo Lebensmittel und andere Güter zwischen den Stämmen getauscht wurden. In Lissabon waren auch die Kelten, auch wegen der geografischen Lage am Meer und am Fluss, was Lissabon in einen großen Umschlaghafen schon in frühen Zeiten verwandelte.

In der Zeit der Römer hieß Lissabon Olissippo und war eine der wichtigsten Städte der römischen Lusitanier (Name der Ländereien, die sich westlich der Iberischen Halbinsel befanden, wo die Lusitanier aus dem „Alter aus poliertem Stein", der Jungsteinzeit) lebten, nachdem sie sich mit dem römischen Volk vereint hatten. In der römischen Zeit war Olissippo ein wichtiger Handelspunkt, von wo Verbindungen zu anderen Regionen ausgingen.

Entsprechend längerer Aufzeichnungen war Lissabon im VII. Jahrhundert nur ein Dorf. Nach Kriegen zwischen Westgotische Völkern haben die Araber die Iberische Halbinsel angegriffen und Lissabon besetzt.
In der arabische Sprach war Lissabon als ‘Al-Ushbuna’ bekannt, was schöner Hafen bedeutet. Unter diesem Volk blieb Lissabon weiter ein strategischer Handelsplatz am Fluss Tejo, wo Güter gehandelt wurden, für andere arabische Gebiete wie Marokko, Tunesien oder Ägypten. Die Stadt wuchs dermaßen an, daß sie im 10. Jahrhundert schon mehr als 100.000 Einwohner hatte und zu einer der größten Städte Europas wurde und zu der Zeit sogar Paris oder London übertraf!

Aufgrund des arabischen Einflusses wurde Lissabon bzw. Al-Ushbuna nach Art dieses Volkes geplant, was unter anderen Einflüssen auch das Castelo de São Jorge oder die Moschee hervorbrachte. In dieser Zeit entsteht das Stadtviertel Alfama und die Stadt Almada (al-Madan).

Stück für Stück haben die Araber ihre Lebensweisen eingebracht und das Wasser vom Fluss Tejo zur Bewässerung der Ländereien benutzt.

Im Jahre 796 wird die Stadt von den Christen und in 844 von den Wikingern angegriffen. Doch konnte Al-Ushbuna noch viele Jahre den andauernden Angriffen widerstehen.

Während im Süden der Einfluss hauptsächlich arabisch war, begannen im Norden die Bewegungen zur Erstellung und Erweiterung der Portugiesischen Provinz mit dem ersten König von Portugal D. Afonso Henriques, der die Kämpfe anführte. Mehrere Male versuchte er Lissabon zu erobern aber hat es erst in 1147 geschafft. Noch in diesem Jahr übernahm er Lissabon und ordnete die Umgestaltung der großen Moschee der Sé an. In 1195 kam auch der Heilige Schutzpatron der Stadt Santo António, mit richtigem Namen Fernando de Bulhões, zur Welt.

Mit diesen Veränderungen versucht D. Afonso Henriques die Handelsmacht, die Lissabon darstellte, zurückzugewinnen, was dann auch eintrifft. Lissabon wird wieder ein wichtiger Handelshafen zwischen dem Nordmeer und dem Mittelmeer aber auch mit dem Norden Afrikas. In dieser Zeit wird mit Gold, Elfenbein, Zucker, Mandeln, Olivenöl, Salz, Wein, Kork und Reis gehandelt und es entstehen die ersten Werften wo Schiffe gebaut werden, die den Handel vor den Piraten schützen sollen. Die Schiffe entwickeln sich von Lastkähnen zu Karavellen, das Transportmittel um die Meere zu bereisen und neue Länder zu entdecken.

Schon im XIII. Jahrhundert wird vom König D. Afonso der III., nachdem auch die Algarve eingenommen wurde, Lissabon als Hauptstadt des Königreiches ausgewählt, weil sie die größte und stärkste Stadt ist. Der erste König mit Sitz in Lissabon wird König D. Dinis, der die Universität von Coimbra im Jahre 1290 gründete, die erst in Lissabon ansässig war und dann in 1308 nach Coimbra verlegt wurde. Lissabon bekommt ein neues Gesicht, es werden neue Straßen angelegt und Rossio wird zum Zentrum der Stadt.

Aufgrund des immer größer werdenden Einflusses dieser Stadt im internationalen Handel, siedeln sich Händler aus verschiedenen Orte Europas in Lissabon an, wie Juden, Italiener, Holländer und Engländer, die viel Wissen über Navigation und Luxusgüter aus Asien, wie z.B. Gewürze und Seide mitbringen.

Es entsteht eine Allianz mit den Engländern in 1308, dem Haupthandelspartner Lissabons und Portos.
Aufgrund der Spannungen mit Kastilien, ist die Stadt noch eingeschlossen, aber in 1373 werden die Kastilianer ausbezahlt um das Territorium zu verlassen. Danach werden die Stadtmauern “Muralhas Fernandinas de Lisboa” im Königreich von D. Fernando gebaut, um die Stadt zu schützen.

Durch die Strukturierung der Gesellschaft kommen die Straßen mit Namen verschiedener Berufe auf; wie die Rua do Ouro (Straße des Goldes), Rua dos Sapateiros (Straße der Schuhmacher), Rua da Prata (Silberstraße) wegen der Juweliere die viel Silber verarbeitet haben, oder die Rua dos Retroseiros (Kurzwarenstraße). In dieser Zeit ist die Mittelschicht, die Bourgeoisie die wichtigste Klasse, da sie im hauptsächlich internationalen Handel arbeitet. Durch die rasante Entwicklung der Stadt entwickeln sich die Bänker, die Wissenschaftler und die Rechtsberater. Jetzt entsteht auch die Companhia das Naus, eine Versicherung an die die Reedereien eine Abgabe zahlen mussten um im Fall von Verlusten Unterstützung zu bekommen.

Die Minderheiten wurden von den Juden und Muselmanen (Mauren und Araber) dominiert.  A Mouraria, ein typischer Stadtteil Lissabons hat diesen Namen, weil dort die Muselmanen leben, die Mehrheit ohne Schulbildung und niedrigen Einkommen, die meist von der Landwirtschaft leben. Der Ausdruck ‘alfacinha’ – Kopfsalat, der benutzt wurde, um die Lissabonner zu rufen, kam aufgrund des Salatanbaus der Araber zustande.

Dieser Wohlstand wurde mehrere Male durch große Erdbeben erschüttert, die viele Gebäude zerstört haben.  Trotzdem wurde die Stadt immer wieder aufgebaut.

Über die Jahre wuchs der Handel Lissabons immer mehr, was Lissabon immer mehr mit anderen Ländern verband. Verschiedene Handelsverträge wurden im 14. Jahrhundert mit mehreren Ländern unterzeichnet, wie Venezuela, Genua oder Florenz. Schon im 15. Jahrhundert, im Jahre 1415  wird Ceuta im Norden Afrikas erobert, was Lissabon eine bessere Kontrolle über den Handel im Mittelmeer sowie die Beherrschung des Gold und Elfenbeinhandels einbringt.

Im XV. Jahrhundert, Zeitalter der Entdecker, ändert sich die Handelsstrategie der Portugiesen aufgrund der Konkurrenz. Das Ziel wird es direkt mit den Quellen von Gütern wie Gold, Elfenbein und Gewürzen zu verhandeln. Dieses Ziel wird durch Heinrich dem Seefahrer, Infante D. Henrique - O Navegador, erreicht, der seine bewaffnete portugiesische Meeresflotte in die Produktionsländer der wichtigsten Handelsgüter führt.

Bei diesen Expeditionen werden Madeira und die Azoren entdeckt und die Portugiesen kommen bis zum Golf von Guinea. Aus diesen Entdeckungen treten Wein und Zuckerrohr in die Handelswege ein. Aber das Ziel geht darüber hinaus; durch die Initiative der Händler in Lissabon führt Vasco da Gama die Reise auf dem Meereswege nach Indien an, wo er im Jahre 1498 ankommt. Danach erreichen sie China, Macao, Indonesien und Japan. Auf dem Rückweg bereiten sie Geschäfte mit Angola und Mosambik vor.

Durch diese Schritte beginnt Lissabon mit dem Handel von neuen exklusiven Produkten, wie Gewürze, Stoffe aus Baumwolle, Diamanten,, Porzellan und Zucker aus Brasilien und wird zum Luxuriösen Handelsplatz Europas. Mit der Kontrolle des Handels von Japan bis Ceuta war Lissabon im 16. Jahrhundert die reichste Stadt der Welt!

Nach einer schweren Periode der Kämpfe gegen andere Imperien, die das portugiesische Monopol zerschlagen wollten, wird Lissabon wieder stärker, als man mit der Nutzung der Güter aus den Kolonien begann, wie dem Gold aus Brasilien. Dies wird jedoch  alles durch das große Erdbeben im Jahre 1755 zerstört.

Man liest oft in der Geschichte von Monumenten und Kirchen, dass diese wieder nach dem Erdbeben von 1755 aufgebaut bzw. restauriert worden sind. Das Erdbeben war der schwärzeste Augenblick in der Geschichte Lissabons.

Am Morgen des 1. November 1755 spürte man das erste Zittern und einige Minuten später gab es ein zweites, viel kräftigeres Beben, das die halbe Stadt in Schutt und Asche zerlegte. Das Beben löste einen Tsunami aus, der kurz danach eintraf. Wie immer als Vorbote eines solchen Erdbebens zog sich das Wasser vom Land ins Meer zurück. Bald danach kehrte das Wasser jedoch mit einer über 15 m hohen Flutwelle zurück, die die ganze Stadt überschwemmte. Schiffe, Docks und Gebäude der Stadt wurden von der Gewalt des Wassers zerstört und Tausende von Menschen mitgerissen.

Als ob das noch nicht genug gewesen wäre lösten brennende Lampen und Kochfeuer einen unkontrollierbaren Feuersturm aus. Drei Tage lang wütete dieses Feuer und vollendete die Zerstörung der Stadt. Allein in Lissabon fielen dieser Katastrophe über 60.000 Menschen zum Opfer. Mehrere Tausend starben in anderen Gebieten. Man spürte dieses Erdbeben in ganz Westeuropa und im nordwestlichem Afrika.

Der Wiederaufbau Lissabons vollzog sich jedoch rapide, denn sobald die Beben aufgehört hatten, gab der Marquês de Pombal seine Ideen für den Wiederaufbau der Stadt preis. Er begann mit dem Satz: „Begraben wir die Toten und ernähren die Lebenden“ und krempelte seine Ärmel hoch und fing mit der Arbeit an. Aufgrund seiner Zielstrebigkeit und seiner praktischen Einstellung war Lissabon bald wieder aufgebaut und das schöner als je zuvor. Das Gebiet in der Innenstadt Lissabons und dem Platz Marquês de Pombal, insbesondere vom Platz Rossio bis zum 'Praça do Commércio, zeigen eindrucksvoll das innovative Straßennetzsystem, das von Sebastião José Carvalho e Melo, dem Marquis selbst, entworfen worden war!

Lissabon macht eine Zeit der Befreiungskämpfe durch, die große Instabilität auf mehreren Ebenen bedeutete. Im 19. Jahrhundert leben die Handelsbeziehungen Lissabons hauptsächlich von der Produktion aus den Kolonien. Es ist eine Zeit der Veränderungen auf kultureller und wirtschaftlicher Ebene und das Stadtzentrum verschiebt sich zum Chiado. Dies ist die Zeit der großen Schriftsteller wie Almeida Garrett, Alexandre Herculano oder Guerra Junqueiro, jetzt erscheinen auch die Stierkämpfe, der Fado und die Revuen.

Im selben Jahrhundert industrialisiert sich das Land mit der größten Konzentration der Fabriken in Lissabon mit Schwerpunkt in Textilien, Tabak, Konserven und Gummi. In einer Zeit von großer Ungleichheit revoltiert das Volk in Lissabon im Jahre 1910 und die Erste Republik wird ausgerufen. Mit ihr erfolgten Maßnahmen zur besseren Unterstützung des Volkes.

Trotzdem ist diese Zeit mit andauernden Streiks in Lissabon nicht vollkommen friedlich. Inmitten von so viel politischem Disputs und Bewegungen, die auf der Bühne Lissabons ausgetragen wurden, fällt die Erste Republik in die Macht der Diktatur unter der Hauptfigur António de Oliveira Salazar. Die Hauptstadt wächst aufgrund der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung demografisch stark an. An den Stadträndern sprießen Slums hervor um die vielen Menschen zu beherbergen, die in Lissabon leben wollen. Am Ende wird das Regime von Salazar und Marcello Caetano durch die Nelkenrevolution in Lissabon am 25. April 1974 gestürzt. Portugal tritt 1986 in die EU ein und Lissabon beginnt mit der Umsetzung der Städteplanung um auf ordentliche Weise die Bevölkerung aus den Problemzonen umzusiedeln. Heute ist Lissabon eine saubere Stadt mit Geschichte in einem perfekten Licht und einzigartig. Die Expo ‘98 gab der Stadt einen großen Impuls und es entstand mit dem Park der Nationen - Parque das Nações eine neue vitale Gegend.

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